Deportation mit Zügen der Reichsbahn

Die Deportationen der Juden von Burghaun aus

Die systematischen Deportationen in Hessen begannen im Oktober 1941 mit dem Transport aus Frankfurt a.M. in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz. Bei diesem Unternehmen spielte die deutsche Reichsbahn eine wichtige und unrühmliche Rolle. Ohne sie wäre es unmöglich gewesen, eine so horrende Anzahl von Menschen in die Konzentrationslager zu befördern. Viele Juden aus Burghaun waren geflüchtet und hofften in der Anonymität einer Großstadt wie z.B. Frankfurt a.M. zu überleben, wurden aber schließlich von dort aus deportriert.  Die letzten jüdischen Bewohner, die bis zum bitteren Ende in ihrem Heimatdorf Burghaun ausgeharrt hatten, mussten zu drei verschiedenen Terminen entweder in Hünfeld oder hier an der Burghauner Bahnstation in den aus Fulda kommenden fahrplanmäßigen Zug in Richtung Kassel  einsteigen.

 

Deportation am 8. Dezember 1941 nach Riga

Einige Burghauner Juden wurden mit dem Lastkraftwagen vom Burghauner Schlosshof aus, wo sie sich versammeln mussten, nach Hünfeld gebracht. Von der Bahnstation Hünfeld aus  ging es, vorbei  am Heimatbahnhof Burghaun, zunächst nach Kassel ins Sammellager, bevor die Fahrt in den Osten am nächsten Tag weiter ging.

Am 9. Dezember wurden in das "Reichsjudenghetto" Riga deportiert:

  • Fanny und Gusta Braunschweiger (beide ermordet 1943 in Auschwitz) -
  • Julius and Selma Braunschweiger (beide ermordet 1943 in Auschwitz) mit Sohn Alfred, der überlebte
  • Abraham Levy (ermordet in Salaspils 1942) und seine Frau Jenny Levy (ermordet 1943 in Auschwitz) -
  • David Nussbaum (ermordet 1942 in Salaspils) sowie seine Frau Jenny (ermordet 1944 in Stutthof), Tochter Friedel (ermordet 1945 im KZ Stutthof)  sowie Tochter Inge, die überlebte
  • Levi Stern (ermordet 1944 in Auschwitz Monowitz) sowie seine Frau Ida und ihre drei Töchter Marianne, Irene und Alice (alle vier 1943 in Auschwitz ermordet

Statistik des Holocaust: u.a.

Transportliste Kassel Riga 9.12.1941

 

Deportation Ende Mai 1942 Richtung Lublin - Sobibor

Vermutlich am 31. Mai stiegen hier an der Burghauner Bahnstation zwei Frauen ein, die dann am 1. Juni 1942 von Kassel aus via Lublin / Majdanek nach Sobibor verschleppt und gleich nach ihrer Ankunft dort ermordet wurden; es waren:

  • Adelheid Strauss and Jeanette Wohl

 

Statistik des Holocaust:u.a.

Transportliste Kassel - Richtung Lublin / Sobibor 1.6.1942

 

Deportation am 5. September 1942 nach Theresienstadt

An der Burghauner Bahnstation mussten an diesem Tag schließlich die beiden letzten jüdischen Familien einsteigen, die dann am 7.  September 1942  von Kassel aus in das Ghetto  Theresienstadt verschleppt wurden:

  • Feiber Stern mit seiner Frau  Jenny und  ihren Kindern Marga, Semmi und Max (alle 1943 in Auschwitz ermordet) sowie Großmutter Julchen Stuckhardt, die wie durch ein Wunder überlebte
  • Abraham Strauss mit seiner Frau Adelheid und ihren Kindern Marga und Manfred (alle 1944 in Auschwitz ermordet)

Statistik des Holocaust:

Transport Kassel - Theresienstadt 5.9.1942

 

Links im Bild sieht man das alte Bahnhofsgebäude
Links im Bild sieht man das alte Bahnhofsgebäude

Von der ursprünglichen Burghauner Bahnstation ist nichts übrig geblieben außer den Bahngleisen. Das alte Bahnhofsgebäude wurde im Jahr 2000 abgerissen und die Bahnsteige in südlicher Richtung verlegt. 

 

Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung

 

Zeitgeschichte - Deportationen aus Hessen