Familie Benjamin Stern und Berta Levi (Benjamins)

Ringstraße 6 (heute Nr. 7)

 


Im Haus Ringstraße 6 wohnte die Witwe Lina Stern geb. Kahnlein (geb. 30.5.1867 in Reyersbach, Unterfranken). Ihr Mann Benjamin Stern, der aus Rothenkirchen stammte und etwa 1895/96 mit seiner Familie nach Burghaun kam, starb schon 1916. Die Inschrift seines Grabsteins ist gänzlich verwittert, nur sein Name ist noch zu lesen.

Außer der ältesten Tochter Selma, die noch in Rothenkirchen geboren wurde, kamen die übrigen vier Geschwister in Burghaun zur Welt:

Benjamin Stern
Benjamin Stern

Selma geb. 1894 (Holocaust)

Bella geb. 1896 (Holocaust)

Moritz geb. 1898

Irma geb. 1900

Käthe geb. 1903

 

Selma heiratete Albert Sander (*1883) in Oberbieber. Ihre gemeinsame Tochter Edith (geb. 8.9.1921) emigrierte in der Verfolgungszeit zunächst nach Holland, konnte aber auch dort der Deportation nicht entgehen. Selma und Albert wurden ab Trier/Köln am 27. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, von wo sie am 29. Januar 1943 „auf Transport“ nach Auschwitz gehen mussten. Die Eheleute Sander sowie ihre Tochter Edith kamen in Auschwitz ums Leben.

Bella heiratete Hugo Simon. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Benno und Brunhilde. Die Familie lebte zuletzt in Elberfeld und wurde von da nach Polen verschleppt und zwar in das Ghetto Izbica im Distrikt Lublin. Dort fielen sie der Judenvernichtung zum Opfer.

 

Moritz lebte von den Geschwistern am längsten in Burghaun. Er soll ein großer Turner gewesen sein. Sowohl im allgemeinen Burghauner Turnverein, wo er als Vorturner hervorgetreten sei, als auch im jüdischen Sportverein, war er sehr aktiv tätig. Moritz Stern heiratete am 29.6.1934 Hanna Braunschweiger (*1911) in Burghaun, Tochter von Salomon und Adele Braunschweiger. Im Januar 1936 wohnte er mit seiner Frau in der Schlossstraße 7 bei Kemmler zur Miete.

Moritz Stern und Hanna Stern geb. Braunschweiger

 

Noch vor dem Novemberpogrom, etwa Anfang des Jahres 1938, zog das Paar vermutlich nach Frankfurt a.M. Die Eheleute konnten noch zur rechten Zeit in die USA entkommen. Moritz Stern starb in den 1960er Jahren, seine Frau Hanna überlebte ihn um viele Jahre und starb hoch betagt in New York, wo sie bei ihrer Tochter lebte.

 

Irma hatte 1928 Max Friedmann aus Elberfeld geheiratet, ihr gelang ebenfalls die Flucht in die USA. Sie ist schon lange tot.

 

Käthe heiratete am 17.2.1933 in Burghaun Markus Stern von Zimmersrode. Das Ehepaar lebte später in Kassel in der Großen Rosenstraße. 1937 wurde Tochter Lore in Marburg geboren. Die Familie Stern konnte sich noch etwa 1941 nach New York in Sicherheit bringen. 1960 starb Markus Stern, 1975 auch seine Ehefrau Käthchen.

 

Mutter Lina Stern lebte im November 1939 noch in Burghaun in der Ringstraße 6 und zwar zusammen mit ihrer Schwägerin Bertha Levi geb. Stern. Wahrscheinlich wohnten die beiden dort  im Haus zur Miete, denn das Anwesen hatte Moritz Stern 1938/39 notariell verkauft. Die erste Deportation am 8. Dezember 1941 muss die Witwe Stern noch in Burghaun miterlebt haben. Am 2. Juli 1942 verließ sie dann das Dorf und übersiedelte nach Fulda in das jüdische Altersheim in der Schildeckstraße 10. Von da wurde sie am 5. September 1942 mit den übrigen Heimbewohnern über Kassel nach Theresienstadt deportiert. Dort starb sie am 13. Juni 1944 infolge der unmenschlichen Verhältnisse im Ghetto.

 

Berta Levi

Bertha Levi geb. Stern (*6.4.1860 in Rothenkirchen) war eine Schwester von Benjamin Stern. Sie soll schon lange in der Familie ihres Bruders in Burghaun gelebt haben, wo sie auch im November 1939 noch anwesend war. Später muss sie nach Frankfurt a.M. geflüchtet sein. Dort wohnte sie zuletzt im Altersheim Hermesweg 5/7. Von hier wurde die alte Frau am 18.8.1942 ins KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 19.9.1942 infolge der unmenschlichen Bedingungen starb.

 

Auf Spurensuche

Käthchens Tochter Lore lebt seit 1991 mit ihrem Mann Harry Mayerfeld, gebürtig aus Worms, in Jerusalem. 1997 besuchte sie zusammen mit ihm auch den Geburtsort ihrer Mutter. Das Elternhaus ihrer Mutter zu betrachten und am Grab ihres Großvaters Benjamin Stern zu verweilen, war für sie „ein sehr emotinales Erlebnis“, wie sie dankbar erklärte.

 

Die Gräber von Markus (Max) und Kätchen Stern in New York
Die Gräber von Markus (Max) und Kätchen Stern in New York

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