Maria Benedikta Lohfink

Stadtstraße 11 (ersatzlos abgerissen)


 Mitteilungen von Hubert Ziegler, Hofbieber, Großneffe von Maria B. Lohfink:

"Maria Benedikta Lohfink wurde am 20.11.1875 als 6. Kind der Eheleute Kilian und Magaretha Lohfink in Burghaun, Haus Nr. 69 geboren. Sie hatte 9 Geschwister (4 Schwestern und 5 Brüder) und kam behindert zur Welt: sie war schwerhörig, sehbehindert und blieb dadurch auch in ihrer geistigen Entwicklung zurück. Im Schutz ihres Elternhauses wuchs sie auf, besuchte die katholische Schule zu Burghaun von 1882 bis 1890, erreichte aber nicht die Abschlussklasse.

Nach der Schulentlassung blieb sie – wie damals bei solchen Kindern üblich – im Elternhaus, half dort in Haus und Hof und arbeitete später auch bei anderen Bauern in der Landwirtschaft. Sie war fleißig und fügsam und begleitete ihre Eltern in allen Lebenssituationen. Sie arbeitete mit ihnen auf dem Happertshof, den ihr Vater aufgebaut hatte und lebte mit ihnen schließlich in der Stadtstraße Nr. 11. Als aber 1917 zunächst ihr Vater und 1918 auch ihre Mutter verstarb, war guter Rat teuer. Bei ihrer Schwägerin, deren Mann 1915 in Rußland gefallen war, und die nun selbst sehen musste, wie sie mit ihren 4 Kindern diesen Krieg und in diesem Rübenwinter 1917/18 überleben sollte, konnte Maria Benedikta nicht unterkommen.

Schließlich wurde sie am 12.7.1918 im Alter von 42 Jahren in das Landeshospital Merxhausen, eine 'Irrenpflegeanstalt', aufgenommen. Laut Krankenakte verrichtete sie dort einfache Arbeiten in der Schälküche und im Nähsaal. Sie arbeitete unter Anleitung fleißig, war stets artig und zufrieden, still und sauber. Mit zunehmendem Alter aber wurde sie immer teilnahmsloser, lebte zurückgezogen und in sich gekehrt.

Am 13.6.1941 wurde sie im Alter von 65 Jahren auf behördliche Anordnung in die Landesheilanstalt Eichberg im Rheingau verlegt und von dort am 3.7.1941 'verlegt in eine andere Anstalt'.

Mit diesem Eintrag schließt die Krankenakte, und hinter dieser Formulierung verbirgt sich der Transport nach Hadamar - einer Mordanstalt.

Eintrag im Totenbuch der katholischen Pfarrei Burghaun:

Maria Benedikta Lohfink ..., geboren am 20. November 1875 in Burghaun verstarb am 15. Juli 1941 um 4 ¼ Uhr nachmittags in der Landespflegeanstalt Hadamar. Die Leiche wurde eingeäschert.

Bemerkung: Die Mitteilung erfolgte hierher am 16. Oktober 1941.

 

Auch die Angehörigen in Burghaun wurden benachrichtigt, ihnen wurde die Zusendung der Urne anheimgestellt. Dies wurde von ihnen abgelehnt. "

 

Auskunft der Gedenkstätte Hadamar vom 7. April 2011:

Frau Maria Lohfink, geb. am 20.11.1875 in Burghaun, wurde zu einem uns unbekannten Datum in die Anstalt Merxhausen aufgenommen. Von dort wurde sie am 13. Juni 1941 in die Anstalt Eichberg/Rheingau verlegt. (Eichberg/Rheingau war zu diesem Zeitpunkt eine so genannte "Zwischenanstalt" für die Tötungsanstalt Hadamar.) Von dort gelangte Frau Lohfink in einem Transport mit 113 weiteren Patienten am 3. Juli 1941 nach Hadamar. In der Regel wurden die Patienten eines solchen Transportes noch am Tag der Ankunft in die im Keller der Anstalt befindliche Gaskammer geschickt und ermordet. Da aber an diesem Tag insgesamt 114 Personen in Hadamar eintrafen und die tägliche Tötungskapazität der Tötungsanstalt maximal 100 Personen betrug, ist es möglich, dass Frau Lohfink erst am 4. Juli ermordet wurde. Der 3. und 4. Juli sind daher als der Sterbezeitraum von Frau Maria Lohfink zu betrachten. Das damals offiziell mitgeteilte Todesdatum und die Todesursache wurden falsch angegeben, um Angehörige und Behörden zu täuschen. ... 

 

 

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