Familie Daniel Braunschweiger

Schlossstr. 1 (Neubau 1994, bis Juni 2012 Schlecker-Filiale)


Der Handelsmann Daniel Braunschweiger (*1.7.1862) stammte aus Steinbach. Etwa um 1890, als die Synagogegemeinde dort aufgelöst wurde, war Daniel mit seinen Eltern Anschel Braunschweiger (1832-1906) und Sarchen geb. Mansbach (1836-1896) nach Burghaun gekommen und in das Haus in der Schlossstraße Nr. 1 gezogen. 

Am 2. Juni 1890 heiratete Daniel Braunschweiger in Burghaun Pauline Stern, genannt Paula, (*21.3.1867) aus Netra bei Eschwege. Die Eheleute bekamen vier Kinder:

Jakob *1891

Frieda *1892

Julius *1895

Josef *1900


Früheres Haus "Daniels" (Fachwerkhaus) im Jahr 1994 vor dem Abriss
Früheres Haus "Daniels" (Fachwerkhaus) im Jahr 1994 vor dem Abriss

Der älteste Sohn Jakob soll sich in Berlin niedergelassen haben und im 1. Weltkrieg gefallen sein. Weiter ist über ihn nichts bekannt.

Frieda heiratete den Handelsmann Jakob Wallach in Breitenbach am Herzberg. Später trennte sie sich von ihm und kam 1935 mit ihrer 12-jährigen Tochter Ruth nach Burghaun zu ihrem Vater zurück. Wann die beiden das Dorf wieder verließen ist nicht genau bekannt. Jedenfalls besuchte Ruth noch im September 1937 die jüdische Bezirksschule in Burghaun. Später zogen Mutter und Tochter nach Frankfurt am Main, wo sich auch Ruths Vater niedergelassen hatte. Von ihren Wohnungen aus wurden Frieda und Ruth sowie Jakob Wallach mit dem Transport am 11. November 1941 in das Ghetto Minsk in Weißrussland verschleppt, wo alle drei ums Leben ka-men.

Julius lebte als einziger weiter im Elternhaus, bis etwa 1934 auch noch mit seiner Fa-milie. 1924 hatte er Selma Stern aus Frankershausen bei Eschwege geheiratet, die drei Kinder zur Welt brachte: 1926 Paula, 1928 Alfred und 1936 Reni. In den letzten Burg-hauner Jahren wohnte die Familie in der Ringstraße 14. Mit einem Kindertransport konnten Paula und Reni nach England gerettet werden, doch die Eltern wurden mit dem 13-jähirgen Alfred am 8. Dezember 1941 in das Judenghetto Riga deportiert. Während Alfred mehrere Konzentrationslager überlebte, fielen Julius und Selma Braunschweiger 1943 den Vernichtungsmaßnahmen der Nazis zum Opfer.

Josef heiratete Cilli Löwenthal in Hösbach/Unterfranken. 1938 zog er mit seiner Fami-lie nach Frankfurt am Main in die Hebelstraße 13. Von hier wurden die Eheleute am 11. November 1941 nach Minsk deportiert, wo sie ums Leben kamen. Die beiden zwölf- und neunjährigen Töchter Inge und Nora entkamen nach London, vermutlich mit einem Kindertransport.

Frau Paula Braunschweiger starb am 7. Mai 1924 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Burghaun beerdigt. Auf ihrem Grabstein heißt es über sie:

„Hier ruht eine züchtige und fromme Frau, voller Gottesfurcht und Reinheit. Ihr ganzes Streben war, Gott und den Menschen zu gefallen. Die Zierde ihres Mannes und ihrer Kinder, Paula, Frau des Daniel“.

Im Jahr 1934 verkaufte Daniel Braunschweiger sein Anwesen, er soll es mit Jakob Altstadt, dem Eigentümer des Hauses Burgstr. 2, getauscht haben. Der Witwer wohnte aber zunächst nicht dort, offenbar vermietete oder verkaufte er das Haus. Er selbst nahm bei Hucke in der Burgstraße 1 eine Mietwohnung, wohin dann auch sei-ne Tochter Frieda und Enkelin Ruth zuzogen. Aber später hat er noch eine Zeitlang allein in der Burgstraße 2, „oben drin in einem kleinen Stübchen“, gelebt.

Im Verlauf des Novemberpogroms von 1938 verhaftete man den 76-Jährigen, ver-schleppte ihn aber wegen seines hohen Alters nicht nach Buchenwald, sondern ent-ließ ihn noch am Abend. Bald darauf floh er nach Frankfurt a. Main, wo er zuletzt in dem jüdischen Altersheim in der Hans Handwerkstraße 30 lebte. Von da wurde Da-niel Braunschweiger nach Theresienstadt deportiert. Schon nach wenigen Monaten in diesem Wartesaal zum Tod starb der vereinsamte Mann am 20. Januar 1943 infolge der elenden Lebensverhältnisse im Ghetto.

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